Unsere Umfragen bauen wir in drei Schritten aus.

Stufe 1: Umfrageschnitt pur

In der Grafik auf der Titelseite zeigen wir unter „Umfrageschnitt pur“ das arithmetische Mittel aller Umfragen der wichtigsten Institute. Wir geben diese Zahlen 1:1 ungewichtet wieder, heißt also: pro Wochen haben wir alle Umfragen zusammengerechnet und den Durchschnitt gebildet.

Berücksichtigt werden Umfragen von Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap und INSA. Die Daten sind von wahlrecht.de.

Stufe 2:  S&R-Umfrageschnitt

Diese zweite Stufe ist unsere Standardansicht. Hier zeigen wir einen gewichteten, tagesaktuellen, rollierenden Durchschnitt. Dazu berechnen wir ein gewichtetes arithmetisches Mittel der Umfragen der vorhergehenden 20 Tage.

Wir nutzen drei Gewichtungsfaktoren: Zeitpunkt der Befragung, Stichprobengröße und Abweichung der letzten Vorwahlbefragungen der Umfrageunternehmen vor den tatsächlichen Ergebnissen der letzten fünf Bundestagswahlen.

Das heißt: Neuere Umfragen und solche mit mehr Befragten fließen stärker in unseren Schnitt ein. Die Gewichtung auf Basis des letzten Tags der Befragung folgt einer logistischen Funktion: während Umfragen der ersten Woche noch stark einfließen, bekommen Umfragen der vorletzten Woche kaum noch Gewicht. Die Gewichtung auf Basis der Stichprobengröße erfolgt über Berechnung der sogenannten t-Statistik. Diese wird benötigt, um Konfidenzintervalle zu berechnen, welche die statistische Unsicherheit in Umfragewerten quantifizieren.

Für die Fehlerquote haben wir die mittlere quadratische Abweichung eines Instituts von den tatsächlichen Stimmanteilen der Parteien in den letzten fünf Bundestagswahlen berechnet. Heißt in der Praxis: Wenn ein Unternehmen in der Vergangenheit eine bestimmte Partei zu hoch oder zu niedrig eingeschätzt hat, dann geben wir den Umfragewerten dieses Unternehmens für diese Partei ein geringeres Gewicht. Oder andersherum: Wenn ein Unternehmen eine Partei in der Vergangenheit besonders treffsicher eingeschätzt hat, fließen die aktuellen Umfragewerte dieses Instituts zu dieser Partei stärker in unsere S&R-Umfrageschnitt-Werte ein.

Berücksichtigt werden auch hier Umfragen von Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap, INSA. Die Daten sind von wahlrecht.de. Die Berechnungen und den Rechenweg mit Abweichungen aus der Vergangenheit werden im Magazin in Kürze noch näher beschreiben. Wer will, kann selbst mit den CSV-Dateien und dem Skript (in R) experimentieren. Sie sind hier auf Github hinterlegt. Bei Fragen, sind wir unter [email protected] zu erreichen.

Stufe 3: S&R-Prognose

Mit der dritten Ausbaustufe wagen wir uns am meisten aus der Deckung. Anders als die Momentaufnahmen in Schritt 1 und 2 blickt die Prognose in die Zukunft.

Dafür lassen wir nicht nur die Sonntagsfragen („Welche Partei würden Sie wählen, wenn an diesem Sonntag gewählt würde?“) in unseren Schnitt einfließen. Stattdessen schauen wir auf historische Zusammenhänge von Wahlergebnis und anderen Umfragen, beispielsweise zur Wechselstimmung oder der Kanzlerfrage – und wir blicken darauf, ob möglicherweise externe Daten wie die Arbeitslosenquote, die Inflation oder der deutsche Fußballmeister Hinweise auf das Wahlergebnis liefern. Ob und wie wir dieses Modell verfeinern, könnt Ihr im Magazin nachlesen.

Ob diese Prognose am Wahltag so eintreten wird? Das wissen wir natürlich auch noch nicht – aber wir glauben, dass allein schon ein Mehrwert darin besteht, die Rechenwege und Überlegungen offen zu beschreiben und zu diskutieren. Wir wollen dieses Experiment mit Euch wagen und ein Ziel verfolgen: weniger schlechte Vorhersagen.

Übrigens:

Aktuell schauen wir auf knapp 3.000 Umfragen mit mehr als 20.000 Werten zu einzelnen Parteien. Die Befragungen werden seit Jahren hervorragend von wahlrecht.de aufbereitet, eine Wahnsinnsinitiative eines tollen Teams um Matthias Cantow. Herzlichen Dank!