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Woche 23 – Was die Umfragen zeigen

Kein Ende der Verluste für die SPD, ein Mini-Aufwind für die Linken und ein Blick auf den Labour-Erfolg in Großbritannien.

Die wichtigsten Trends
Es war keine gute Woche für die SPD: In den letzten Wochen sah es im S&R-Schnitt zwischenzeitlich beinahe so aus, als habe die Partei ihren unter Schulz möglichen Tiefpunkt in den Umfragen erreicht. Im Vergleich zu vor zwei Wochen ging es noch einmal einen Prozentpunkt runter, in allen vier Umfragen dieser Woche hat die SPD an Boden verloren. Sie liegt nun durchschnittlich unter 25 Prozent.

Bergauf ging es dagegen für die beiden Kleinparteien im linken Spektrum: Die Grünen erzielten in drei von vier Umfragen ein leichtes Plus von einem Prozentpunkt. Was aber durchaus auch statistisches Rauschen sein kann und nicht für einen längerfristigen Trend stehen muss, zum Beispiel auch, weil es in der vierten Umfrage ein kleines Minus gab.

Etwas solider sieht es für die Linken aus. In den letzten neun Umfragen der vergangenen beiden Wochen blieben ihre Zahlen sechs Mal unverändert, drei Mal gab es diese Woche ein Plus.


Was das jetzt heißt
Die Union kratzt in einzelnen Umfragen schon an der 40-Prozent-Marke und fährt ihre besten Werte des gesamten Jahres ein. Originell ist die Einsicht also nicht mehr, aber die SPD braucht dringend ein Thema und Leute, denen es gelingt, mit diesem Thema knallig durchzudringen. Schulz scheint für viele zu wenig sichtbar, es gab ja auch immer wieder Kritik an seinem fehlenden Engagement bei der NRW-Wahl.


Was wirklich wichtig war

Wichtigstes Politikthema der vergangenen Woche waren sicherlich die Unterhauswahlen in Großbritannien. Während die konservative Theresa May weit unter ihren Erwartungen abschnitt, gilt der Oppositionsführer Jeremy Corbyn als Wahlsieger – obwohl seine Labour-Partei bei den Sitzen deutlich hinter den Tories zurückliegt. Dennoch: Die UK-Wahl hat gezeigt, dass engagierte linke Themen durchdringen können.

Labours politische Forderungen sind weit linker als das sozialdemokratische Parteiprogramm in Deutschland. Corbyn forderte massiv höhere Staatsausgaben, mehr öffentliche Kontrolle für Bahn und Energieversorger, ein Ende der Post-Privatisierung und Steuererhöhungen für Besserverdienende. Er hat aus einer Mitte-Links-Partei eine sichtbar linke Bewegung geformt, viele Neueintritte sind eher auf seiner Seite, als dass sie gemäßigter im politischen Zentrum stünden.

Die britische Wahl erklärt in 8 Grafiken und einem Video

Es ist alles sehr verwirrend: Theresa May hat die Wahl gewonnen, aber in Wirklichkeit verloren. Jeremy Corbyn hat in Wirklichkeit verloren, aber eigentlich gewonnen. Wieso die Konservativen trotzdem Erster sind, aber die demografische Entwicklung für Labour spricht.

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Woche 19 – Was die Umfragen zeigen

Die SPD verliert weiter, die Grünen haben ihr Tief überwunden. Und die NRW-Wahl fördert einen riesigen Stimmungsumschwung zutage.

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