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Woche 36 – Was die Umfragen zeigen

Das TV-Duell hat keine Wende gebracht: Die SPD stagniert und die Union erlebt leichte Verluste. Viele Blicke richten sich deshalb auf die kleinen Parteien.

Die wichtigsten Trends

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl drehen die Institute auf: Alle sieben großen Unternehmen haben neue Zahlen veröffentlicht. Die beiden großen Parteien zählen zu den Verlierern: Die Union hat in allen sieben Befragungen verloren, in unserem etwas trägeren Modell verliert sie rund einen halben Prozentpunkt, steht aber immer noch bei rund 37 Prozent.

Die SPD hingegen hat nicht hinzugewonnen, aber das ist eben in der aktuellen Situation auch schon eine Niederlage, denn die Sozialdemokraten hätten die Lücke auf die Union mit dem TV-Duell dringend schließen müssen. Danach sieht es im Moment nicht aus: Drei Erhebungen wurden komplett nach dem Duell erfragt, in zweien blieben die SPD-Werte gleich, bei Infratest dimap ging es sogar um zwei Punkte nach unten.

Positiver sind die neuen Zahlen für die kleinen Parteien: Die AfD setzt ihren Aufwärtstrend fort und gewinnt in fünf von sieben Umfragen hinzu. Die FDP in vier von sieben. Es ist weiter kaum möglich zu sagen, welche der vier kleineren Parteien auf dem dritten Platz landen wird.

Was das jetzt heißt

Es fällt schwer, sich noch irgendein Szenario auszudenken, in dem die SPD den Rückstand von weiter rund 15 Prozentpunkten auf die Union in zwei Wochen aufholen will. Platz 1 und 2 scheinen bei dieser Wahl inzwischen gesetzt.

Völlig offen ist weiterhin, wer drittstärkste Kraft wird. Die AfD hat in den letzten Wochen Boden gut gemacht. Allerdings haben seit Donald Trumps Wahl rechte und rechtskonservative Parteien oft schlechter abgeschnitten als zuvor erfasst. Die Institute scheinen aus Angst vor der angeblichen „schweigenden Mehrheit“ die Parteien überzubewerten – oder möglicherweise gelingt den Gruppierungen eben doch die Mobilisierung schlechter als wahrgenommen.

Trotzdem muss es deutlich gesagt werden: Die fremdenfeindliche und rückwärtsgewandte Alternative für Deutschland hat eine realistische Chance, die stärkste Oppositionspartei Deutschlands zu werden.

Bei der FDP scheinen die Bäume dagegen nicht endlos in den Himmel zu wachsen, denn nach Wochen des langsamen und stetigen Aufstiegs wirken die Umfragen derzeit so, als ob ein Plateau erreicht sei. Die Linken liegen noch knapp vor den anderen kleinen Parteien, die Grünen haben sich auf einem sicher für den Bundestag reichenden Niveau stabilisiert.

Unter dem Strich trennen die vier kleinen Parteien in unserem S&R-Schnitt 1,4 Prozentpunkte, in der Prognose, also der Vorhersage für den Wahltag, sind es sogar nur 0,6 Prozentpunkte – zuverlässige Aussagen darüber, wer wirklich vorne liegt, sind damit nicht möglich.

Was wirklich wichtig war

Das TV-Duell hat keine Wende gebracht und politisch fällt es nun schwer, sich überhaupt noch ein Szenario und ein Thema auszumalen, mit dem die SPD der Kanzlerin und der Union beikommen will. Inhaltlich besinnen sich die Parteien auf ihre Kernthemen, neue Akzente sind kaum noch wahrnehmbar.

(Foto von Jens Rademacher auf Unsplash)

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