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Wahlwoche! – Was die Umfragen zeigen

Unser letzter schneller Überblick: Welche Partei steht wo und was erwartet uns am Sonntag?

Die wichtigsten Trends

Ein Spickzettel mit allen Werten der Institute, mit Meta-Berechnungen und mit Vorhersagen haben wir an dieser Stelle – hier erst einmal unser gewohnter Wochenüberblick, auch wenn natürlich diese Woche nichts mehr gewohnt ist: Bis auf Infratest dimap haben alle Institute in der vergangenen Woche neue Umfragen veröffentlicht. Ein Trend ist deutlich und hat sich auch in den letzten Wochen schon angedeutet: Die großen Parteien scheinen zum Ende des Wahlkampfes an Zustimmung zu verlieren, die kleineren Parteien legen zu – allen voran die AfD.

Union und SPD verlieren beide in vier von sechs Umfragen, wir sehen sie nun bei um die 36 Prozent und um die 22 Prozent. Sollte sich das bewahrheiten, wäre es ein neuer Tiefststand für die Sozialdemokraten: Das bisher schlechteste SPD-Ergebnis erzielte Frank-Walter Steinmeier mit 23,0 Prozent 2009. In den Rohdaten von GMS zur politischen Stimmung gibt es zudem auch kaum Hoffnung für die SPD, dort steht sie konstant bei 22 Prozent, die Forschungsgruppe Wahlen hat diese Woche keine Zahlen zur politischen Stimmung mehr veröffentlicht. Die Union hatte ihr schwächstes Ergebnis 1949 mit 31,0 Prozent, gefolgt von 2009 und 33,8 Prozent.

Die AfD hat dagegen in den letzten drei Wochen stark zugelegt, in 14 von 18 veröffentlichten Umfragen ging es nach oben. Am Wahlabend wird sich zeigen, ob das nur Vorsicht der Demoskopen ist, die Angst vor einer Unterbewertung der Rechten haben oder ob die Protestpartei ihr Potential wird einlösen können. Aktuell liegt sie bei rund 11 Prozent.

Für die Linke erwarten wir rund 10, für die FDP 9 und für Bündnis 90/Grüne 8 Prozent. Aber unter den vier kleinen Parteien sind die Dynamiken schwer einzuschätzen, hohe Fehler sind besonders durch die starken Verschiebungen der letzten Wochen möglich und am Ende könnten auch die Grünen vor der AfD liegen.

Was das jetzt heißt

Am Ende des Wahlkampfs scheint es nur zwei mögliche Koalitionen zu geben: Union und SPD oder Union, FDP und Grüne. Weil aber vor allem bei den kleinen Parteien unklar ist, wo genau welche Partei landet, können sich auch die Machtpositionen bei den Koalitionsgesprächen im Anschluss noch ordentlich verschieben.

Was wirklich wichtig war

Nun, diese Woche: Wählen gehen! Es mag wie eine hohle Phrase klingen, aber egal, ob sie mit der aktuellen Regierung zufrieden sind oder mit ihrer Stimme eine Kleinstpartei für ihre Arbeit loben wollen: Bitte gehen sie wählen. Die allermeisten Menschen, die sich für uns politisch engagieren, haben es verdient.
Einen letzten Überblick zu den wichtigsten Positionen der sechs großen Parteien haben wir noch einmal hier.

(Foto von Markus Spiske auf Unsplash)

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Als Theresa May im April vorgezogene Neuwahlen ausgerufen hat, gingen sie, ihre Partei und der Rest der Welt von einem sicheren Sieg der Konservativen aus. Mays Kalkül: Mit einem starken Ergebnis würde sie bessere Konditionen beim Brexit aushandeln können. Doch in den Umfragen rückt Jeremy Corbyn’s Labour Party immer näher heran. Noch ist der Unterschied komfortabel, aber trotzdem fragt man sich: Kann sich das angebliche britische Umfragenfiasko von 2015 wiederholen? Liegt Labour etwa schon vorne? Diese Fragen sind wegen des komplizierten britischen Wahlsystems nicht einfach zu beantworten. Und die Umfragen helfen nur wenig weiter.

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